Samstag, Dezember 12, 2009

Welttorjäger

Ui, wie war das großartig gestern im Olympiastadion: Bundesligafußball in Berlin, die Hertha fast auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer, die Ostkurve absolute Weltklasse. Und doch stand am Ende nur ein glückliches 2:2. Als Ramos in der 92. Minute den Ausgleich erzielte, war der Feuilletonchef einer bedeutenden deutschen Wochenzeitung, der sich in der Pause noch frohgemut ein Bier gegönnt hatte, schon gegangen. (Nein, das ist nicht Jens Jessen auf dem Foto.)

Das Spiel hat deutlich gezeigt, dass es Grund zum Optimismus gibt, aber noch deutlicher, dass es zuwenig sein könnte, was Friedhelm Funkel zu vermitteln weiß. Er hat dem Team gestern eine funktionierende defensive Struktur gegeben, mit Kacar und Cicero wie erwartet vor Lustenberger, und dann kam es natürlich ganz gelegen, dass Ramos schon in der 8. Minute einen Pass von Cicero ins Loch bekam und souverän abschloss.

Bis zur Pause passierte nicht mehr viel, in der zweiten Halbzeit hätte ich nun erwartet, dass Hertha eher die ersten Ansätze zur Balleroberung vielleicht zehn Meter vor die Mittellinie verlegt, aber sie gingen insgesamt zehn Meter dahinter zurück, und bemühten sich bei ihren Offensivszenen geradezu aufreizend um Geduld. Bei Barcelona schreiben die Reporter in so einem Fall gern, dass das Team den Ball in seinen Reihen "versteckt", bei der Hertha wurde der Ball leider zunehmend öfter bald wieder gefunden.

Sie hatte immer noch ihre Chancen, aber sie ließ nie so richtig erkennen, dass sie an einem zweiten Tor mehr als nur theoretisch und schon gar nicht existenziell interessiert war. Das war natürlich der Funkel-Ordnung geschuldet, der mehr als vier Teilnehmer an einem Angriff prinzipiell ausgeschlossen hatte. So konsolidiert man eine Mannschaft auch in die zweite Liga.

Und es wäre ja auch beinahe alles nach Schema verlaufen, denn in den 75. Minute hatte Bayer einen Corner, der Ball fiel aus dem Strafraum vor die Beine von Kroos, und damit war die schöne Führung dahin. Dann bekam Kacar noch die gelb-rote Karte, weil er sich von den häufig nicht leicht nachvollziehbaren Entscheidungen von (schon wieder) Babak Rafati aus dem Konzept hatte bringen lassen, und in der 90. Minute schoss Kaplan mit einem abgefälschten Ball das 2:1 für Leverkusen.

In der allerletzten Minute gab es noch einen Corner für Hertha, die davor (wie schon die ganze Saison) durchweg beklagenswerte Standardsituationen gezeigt hatte. Raffael traf den Ball gut, Ramos stieg auf und sandte ein. Es war sein viertes Tor in dieser Saison, der Neid vieler Berliner Fans auf den BVB wegen Welttorjäger Barrios wird sich allmählich legen. Die Hertha aber steht mit sechs Punkten da und wird nicht so recht wissen, ob das gestern gut oder schlecht war. Ich weiß es auch nicht. Es war nämlich beides, und insgesamt großartig.

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